13. Oktober 2011 bis 05. November 2011

Lukas Hoffmann


Essay über Geheimnisse aus fotografischer Hand -

Shooting Gallery: Lukas Hoffmann

In ein kariertes, kurzärmliges Hemd gekleidet, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, den schmalen Rücken durchgedrückt, blickt der Junge einen unverwandt an. Er scheint sich wohl zu fühlen in seiner Haut; die sommersprossige Nase wirkt keck, er sieht aus wie jemand der auf Bäume klettert, sich Schrammen holt und weiss, dass er irgendwann die Weltmeere umsegeln wird. Vielleicht ist auch alles ganz anders: Er ist scheu, liest lieber als draussen zu sein und hat eine Sammlung leerer Schneckenhäuser zu Hause. Wie der Junge wohl in zehn, zwanzig Jahren aussehen wird? Blicke verändern sich.

Eine Fläche unebener Erde, Stücke eines Blechtunnels, der Himmel voller Wolken, dazwischen zwei Jungen die Steine werfen. Die Weite der Landschaft verheisst Platz, viel Platz, so weit das Auge reicht erstreckt sich das Spielfeld der Jungen. Ihre Gespräche drehen sich mutmasslich um die grosse Schwester eines Schulkollegen, die seltsam spricht und sich so anders bewegt als die Mädchen in ihrer Klasse. Oder über das kommende Wochenende, ihre Pläne für die nächsten Ferien, darüber, dass sie gerne Auto fahren würden.

Ein verspieltes Szenario, das, angesiedelt im Nirgendwo, zwischen urbaner Melancholie und entspanntem Zeitvertrieb oszilliert. Die Kleidung der Jungen lässt eine ungefähre Verortung zu: Aufgeräumt sehen die beiden aus - wahrscheinlich handelt es sich nicht um ein Krisengebiet im herkömmlichen Sinne.

Lukas Hoffmann ist Fotograf und ein meisterlicher Erfasser des Nicht-Spektakulären. Seine Bilder sind präzise Studien von Landschaften, Orten und Menschen, die in ihrer klaren Bildsprache erzählerische Räume öffnen und trotzdem unfassbar bleiben. Seine Bildkompositionen erinnern an klassische Medien wie Malerei oder Skulptur. Nichts bleibt dem Zufall überlassen, obschon der Künstler nur selten direkt an seinen Motiven arbeitet (einen Ast abbricht oder mehrere hinzusteckt) kommt er teilweise mehrmals an einen bestimmten Ort zurück und fotografiert erst dann, wenn das Licht für ihn stimmt.

Von vielen seiner Streifzüge draussen kommt er ohne Lichtbild zurück. Er fotografiert wenig - ein Anachronismus wenn man die Veränderung des Mediums und ihre heutige Verwendung (viel, schnell, alle) betrachtet. Lukas Hoffmanns Bilder sind geheimnisvoll und sprengen in ihrer Stille den Raum der BetrachterIn.