3. September 2011 bis 24. September 2011

Monica Ursina Jäger

Back Drop – Monica Ursina Jäger

Alternative Welten: Möglichkeit einer Wirklichkeit, in die man sich hineinwünscht oder vor der man sich fürchtet.

Drei Leuchttürme die in den Himmel ragen, verbunden durch Personenbrücken, schwere Pfeiler, Wolkendächer die an Meeresbrandungen erinnern, Himmelstor über der Grossstadt. Sie sind menschenleer, die Landschaften die Monica Ursina Jäger mit Tusche zeichnet. Architektonische Elemente, ein Teil der Bildelemente, weisen auf das Vorhandensein menschlicher Einwirkung hin. Die spröde Formensprache sowie die sublime Reduktion auf die Farben schwarz und weiss unterstreichen die Verschränkung von scheinbar disparaten Elementen und deren formale Abstraktion. Monica Ursina Jäger setzt sich in ihrer künstlerischen Praxis mit natürlicher und gebauter Landschaft auseinander. In unterschiedlichen Medien wie Zeichnung, Skulptur und Objekt hinterfragt sie mediale Repräsentationsformen und unsere divergierenden Auffassungen von Umgebung und Architektur.

In der Installation „..." die eigens für die Ausstellung bei sic! Raum für Kunst entstanden ist, legt sich ein weiches Flies, welches zur Verpackung von Gletschern entwickelt wurde, über eine Anordnung schlichter Stative. Die verschiedenartigen Weissschattierungen des Materials erinnern an eine Schneelandschaft, wir wandeln gen Polarkreis. Ausgelegt über diverse Höhengrade verweist die Fläche auch auf einen Träger vielleicht für eine weitere Zeichnung, die nur durch unsere eigenen Augen entsteht. Monica Ursina Jäger stellt uns ihre hybriden Welten zur Verfügung: Sie schnürt unser Reisegepäck nur lose, wir dürfen unsere Ohren bedecken, bereit für die topographische Erkundungen ihrer multiperspektivischen Bildräume.

peer-to-peer

Archive sind Ordnungseinheiten, die zur Sammlung, Ordnung, Aufbewahrung, Verwaltung und Nutzung von schriftlichen und anderen Dokumenten dienen. Monica Ursina Jäger sammelt kontinuierlich – ihr persönliches Archiv umfasst tausende Fundstücke. Sie kategorisiert das Material und stellt für einzelne Projekte Bilderalben zusammen, die als Ausgangs- sowie Collagenmaterial für ihre Zeichnungen dienen. Peer-to-peer zeigt eine Auswahl aus den Archiven befreundeteter Kunstschaffender die von Monica Ursina Jäger eingeladen wurden. Eingeordnet und gruppiert wurden sie wiederum innerhalb des Systems der Künstlerin, wie beim Spiel mit der Matrjoschka (russischer Talisma) werden Kleinteile in immer grössere Verbindungen gesetzt. Stellen wir uns Archive, die uns als Inspiration und treue Wegbegleiter dienen, als räumliche Gefässe vor: Über Jahre wird aufbewahrt was vielleicht nur eine momentane Wichtigkeit hatte. Während eines Moments fiel die Entscheidung, genau dieses Bild, diese Textzeile auszuschneiden, herauszutrennen, zu kopieren. Über einige Bestandteile in Archiven gibt es lange Geschichten zu erzählen, dabei geht es nicht nur um die Herkunft des Fragments, sondern auch um dessen bestimmte Bedeutung für die Sammlerin/den Sammler und das jeweils gewählte Verfahren zur Einordnung in Schränke, Kisten und auf digitale Datenträger. Materialarchive funktionieren wie ein Gedächtnis, es gilt verwischte Spuren neu zu lesen und sich anhand der verzweigten Linien und Querverbindungen im eigens erschaffenen Universum zurecht zu finden.

Während eines Tages, am peer-to-peer-Tag (Samstag 10. September), können Besucherinnen und Besucher ihre Archivbilder mitbringen und tauschen. Nächstes Jahr erscheint die Künstlerin- nenpublikation „Archive" von Monica Ursina Jäger im Verlag Kodoji Press.